Wenn einer einen Antrag stellt so kann er was erleben. Hier schreibe ich, was ich so erlebe beim Abstieg ins Prekariat. In einem Wort fasse ich es so zusammen: durchwachsen (hier natürlich im negativen Sinne gebraucht).
Feedback ist ausdrücklich erwünscht.
Auf dem Weg zum Gesundheitsamt treffe ich Vorbereitung: 1h Fahren mit der Ringbahn. Die S-Bahnen sind nämlich geheizt und wären sogar warm, wenn die anderen Fahrgäste nicht immer die Türen offen lassen würden. Von der Deutschen Bahn wurden extra Schließknöpfe eingebaut und Klebeschilde aufgeklebt, auf denen zu lesen ist: “An kalten Tagen bitte Türen schließen! Knopf drücken”. Berlin ist so arm, dass die Wenigsten lesen können, die Türen auf- und die Wärme ausbleibt.
Die Ringbahn braucht eine Stunde “für einmal rum”; dann bin ich wieder am Innsbrucker Platz und kann die Erfurter Straße 8 nicht finden. Dort befindet sich das Gesundheitsamt, das eigentliche Ziel meines Ausflugs. Auf den bekannten Stadtplänen an den Bushaltestellen finde ich die Straße schnell, aber in Wirklichkeit kann ich die Orientierungspunkte nicht ausmachen. Einmal um den Pudding gelaufen und ich bin im Gesundheitsamt!
Hier erkläre ich warum ich da bin und muss nur kurze Zeit warten, bis ich zum verstrahlen röntgen aufgerufen werde. Ausziehen, an die Maschine stellen, verstrahlt geröntgt werden: eine Sache von einer Minute Dauer. Wenige Sätze kann ich in mein Büchlein schreiben, bis der Befund vorliegt: kein TBC. Das war zu erwarten, aber trotzdem ist es beruhigend.
Dass ich mich vor dem JobCenter ausziehen muss seh ich ja ein, ich will ja auch was von denen haben: ALG2 nämlich.
Nun denn, man lädt sich die ganzen Anträge und Zusatzblätter herunter und füllt sie so gut es geht aus. Dann lässt man sich einen Termin bei so einem Beratungsunternehmen (BEQUIT) geben, damit die Unterlagen geprüft werden. Natürlich fehlen noch viele Sachen, unter Anderem herkömmliche Kontoauszüge (so ein Ausdruck vom Online-Banking ist nämlich nur für intelligente Leute gemacht).
Wie dem auch sei, man entblößt sich und seinen finanziellen Status. Hab ich nicht so ein Problem mit, ich hab nicht so viel zu entblößen, die können mir gar nichts weggucken.
Ich bin ja zurzeit wieder bei Mama untergekommen. Und daher sollen sich meine Mutter und ihr neuer Ehemann gleichfalls finanziell entblößen. Das geht mir irgendwie zu weit. Ich mein ich hab hier ja schon ein Dach über dem Kopf und im Kühlschrank ist auch was zu essen. Aber der wiehernde Amtsschimmel meint, dass da noch mehr drin ist; sprich: eigentlich könnten Mama und Günther doch komplett für meinen Unterhalt aufkommen.
Das ist aber finanziell gar nicht möglich. Trotzdem möchte das Amt so viel wie möglich wissen.
Ich sehe nun 2 Möglichkeiten: ich kann das Amt überzeugen, dass ich eine eigene Bedarfs- und auch eine separate Haushaltsgemeinschaft bin oder ich werde obdachlos…
Traumhafte Aussichten in der Tat. Als depressiver Zwangsoptimist kann ich mich nur empören aber nicht verzagen. Ich werde der BSE-Amtskuh schon noch die Fakten ins Schwammgehirn trichtern (um die Metapher “Wahnsinnsrind” noch ein bisschen zu strapazieren). Es gibt aber noch einen Ausweg: ich finde einen Job, der ausreicht für Miete und Mampf! Dann hab ich Frühling nur noch das Problem wie ich das Studium, welches ich dann endlich(!) fortsetzen wollte, finanziert bekomme. Wenn man nämlich BaföG will, muss man sich auch ziemlich nackig machen.
Kann mir nicht einfach jemand n Lottschein mit 6 Richtigen für die nächste Ziehung geben?
kommentar von hadez:
tja, so ists mit dem staat
alles gut, solang du nichts willst von ihm
irgendwann vor dem 26.10.2006: download der Formulare
26.10.2006: Ausfüllen der Formulare
27.10.2006: Anstellen beim Jobcenter, aber weil noch was fehlte – die amtliche Meldebescheinigung nämlich – wurde ich gleich wieder abgewiesen mit dem Hinweis, ich solle mir doch bei BEQUIT einen Termin holen. Dies habe ich dann auch gemacht.
30.10.2006: Termin bei BEQUIT, die mögen aber den ausgedruckten Kontoauszug vom Postbank Onlinebanking nicht und ich soll doch bitte die Originale vorlegen. Mama + G sollen sich finanziell bitte auch so entblößen wie ich, also nächster Termin. Zu Hause gibts es dann “trouble” wegen den Begriffen auf den Formularen (“Bedarfsgemeinschaft” vs. “Haushaltsgemeinschaft”)
3.11.2006: ich lege mich mit den Heinis von Bequit an und bekomme andere Formulare ausgehändigt, auf denen nichts mehr von “Bedarfsgemeinschaft” steht. Aber trotzdem sollen sich Mama + G bis ins kleinste Detail entblößen, was ihre finanzielle Situation angeht (ich glaub da wird ein krasser Überwachungsstaat ala ’84 aufgebaut). Und der Arbeitgeber darf auch noch Formulare ausfüllen; extra geil wenn man gerade seinen Jahresurlaub genommen hat. Weil immer noch nicht alle Unterlagen so vollständig sind wie es das JobCenter gerne hätte wird ein weiterer Termin ausgemacht. Ich werde dann hier davon berichten…
hadez schreibt dazu:
Richter stärken Rechte von Hartz-IV-Empfängern
In seiner ersten Sitzung zu den Hartz-IV-Gesetzen hat das Bundessozialgericht deutliche Kritik an Teilen der Reform geübt. Die Richter stärkten die Rechte von Hartz-IV-Empfängern gegenüber den Behörden.
— Spiegel Online
wozu ich das meine:
Danke
Herzlichen Dank für den Hinweis. Mal sehen, ob das JobCenter Berlin-Tempelhof-Schöneberg da mitzieht oder die wie üblich über der Sozial-Rechtsprechung stehen.
spiegel.de kostet Geld
Jedenfalls sind die meisten Artikel nach einer Weile nur noch käuflich zu erwerben. Das ist aber nur halb so schlimm, denn auch andere “news portals” haben diese Meldung aufgegriffen. Ich bin sicher, auf den Seiten der vielen, vielen Tageszeitungen wird man dies auch finden.
Daumen drückn
Freitach is nächster Termin bei BEQUIT, danach geht’s zum JobCenter. Ihr dürft mal eure Däumchen drücken, dass die das nicht nur schnell bearbeiten sondern auch noch bewilligen! Und hoffentlich ist dann das eine hübsche Zimmer in Schnöneberg noch frei…
Ich hatte ja schon mal über meine Hartz4-Erfahrungen berichtet. Nun kommt der Saga erster Teil, und es wird wahrscheinlich nicht der letzte Teil sein. “Erster Teil” deshalb, weil ich nun wirklich mal beim JobCenter war.
Ich stell mich also an und muss meinen Ausweis aushändigen. Mit diesem geht der freundliche Mitarbeiter dann in ein Hinterzimmer und macht weiß-der-Geier was damit (Abgleich mit Fahndungslisten, Asylbetrügerverzeichnis, Hooligan-Sperrdatei, SWIFT...). Dann bekomme ich meine Identität wieder und darf nach oben zum Antragsbearbeitungsraumwartezimmer gehen.
Nach kurzer Zeit werde ich aufgerufen und eine nette junge hübsche Mitarbeiterin prüft meine Unterlagen auf Vollständigkeit. Meine Unterlagen sind vollständig und ich darf einen Zettel ausfüllen bezüglich meiner bisherigen Ausbildungen, Anstellungsverhältnisse und so.
Ich bin noch nicht fertig, schon darf ich nächste Büro, wo eine ältere Mitarbeiterin den Computer und mich befragt. Ich war wohl sehr naiv in der Vergangenheit und bin nicht im Computer der Arbeitsagentur zu finden; für das JobCenter bedeutet das, ich war faul und habe mich nicht richtig um Arbeit bemüht. Diese Mitarbeiterin stellt fest, dass ich älter bin als 25 und daher ganz alleine eine Bedarfsgemeinschaft bilde.
Ich bekomme einen Termin mit meinem Case-Manager am 1.12.2006. Bevor ich das Gebäude auf Umwegen verlasse, frage ich nach wie das mit der Wohnung abläuft; sie antwortet, dass bis 360 EUR warm die Kosten übernommen werden und ich soll zum nächsten Termin einen Untermietvertrag mitbringen (ich habe ja erwähnt, dass ich in eine WG wollte).
Inzwischen erhielt ich einen Zwischenbericht, laut dem ich nicht alle nötigen Unterlagen abgegeben hätte und dies doch bitte schnellstmöglich tun soll. Ich gehe also wieder zum JobCenter, stelle mich an, verliere und wiedererlange meine Identität, darf ins Wartezimmer, werde quasi sofort aufgerufen (wofür hatte ich eigentlich ein Buch mit?) und es stellt sich heraus, dass ich an der “falschen Adresse” bin.
Das ist aber halb so schlimm, denn ich wieder über verschlungene Wege ein Stockwerk höher und in den anderen Flügel des großen Gebäudes geführt. Dort darf ich dann im Flur warten. Endlich bin ich in der Unterschicht angekommen: ein langer, nackter Flur mit gelegentlichen Stühlen vor den Türen. Ich werde dann aufgerufen von der netten jungen hübschen Mitarbeiterin der Vorwoche; sie kann sich auch an mich erinnern.
Allerdings ist ihr nicht ganz klar was ich hier soll (WTF?) und geht nachforschen. Nachdem ich sie darauf hinweise, dass ich ja schon älter als 25 bin, denkt sie wahrscheinlich auch “WTF?” und geht wieder bei der Person nachforschen, die meinen Antrag bearbeitet hat: die angeforderten Unterlagen sind nicht alle nötig, zur Sicherheit macht sie aber eine Kopie des Mietvertrages meiner Mutter (ich bin keine Partei dieses Vertrages).
Ich reiße nochmals meine Possen von wegen “wenn ich obdachlos wäre, wäre das alles einfacher” und “ab Dezember sitz ich dann auf der Straße” wenn das JobCenter nicht mal zu Potte kommt. Ohne Einkommen kann ich keine Miete zahlen, es ist auch fraglich ob ich ohne jegliche Sicherheiten (nicht mal einen Bescheid meiner Hilfsbedürftigkeit habe ich) überhaupt einen Mietvertrag zur Unterschrift kriege… Nebenbei wird erwähnt, dass sich meine Mutter nächstes Jahr wahrscheinlich einer Überprüfung ihrer Unterhaltspflicht unterziehen muss (WTF?).
Ich habe noch keinen Bescheid, keine Wohnung, keinen Job.
Kacke!
Ich habe meine Aufzeichnungen gefunden, insbesondere die vom 30. November. Ich gebe sie hier so wieder wie ich sie notiert habe.
30.11.
Dritter am JobCenter, ich komme quasi sofort dran. Ich fange an zu erklären um was es geht und werde unterbrochen, dass ich kein Kunde sei und keinen Anspruch auf Leistungen hätte. Außerdem könne ich nicht einfach einen Vorvertrag abschließen, ich müsse erst das Angebot genehmigen lassen (das widerspricht allem was ich vorher gehört habe!). Ich weise darauf hin, dass ich bald wohnsitzlos werde. Die Bearbeiterin erklärt: “Ja, dann müssen Sie halt aufs Rathaus und sich ne Wohnung zuweisen lassen”. Dabei bleibt die Frage, wer die Umzugskosten zahlt, leider unbeantwortet.Die Bearbeiterin gibt zu, dass ich sehr wahrscheinlich Anspruch hätte, zumindest in ihren Augen, aber die Bearbeitung des Widerspruchs kann sich noch ein paar Wochen hinziehen. Aber auch eine vorläufige Zahlung des Vorschuss ist sei nicht möglich.
Im Verlauf des Gesprächs meint sie ebenfalls: “Solange Sie kein Kunde sind, können Sie machen was Sie wollen – auch umziehen”. Ich sage darauf: “Ich kann eben nicht machen was ich will! Ich kann es mir nämlich nicht leisten. Selbst die 5 Euro um hierher zu fahren, hab ich mir von Mutter leihen müssen. Ich hab nichts!”
Sie sagt ich soll einen aktuellen Kontoauszug mitbringen und noch mal (am gleichen Tag) wiederkommen, sie würde mich dann zur Leistungsabteilung schicken; evtl könne der Teamleiter was machen.
(Ich frage mich, was die schon wieder mit den Kontoauszügen haben) Während ich noch einpacke, geht sie nach vorne und ruft die Nummer des Nächsten auf.
Auszüge kann ich am gleichen Tag nicht vorlegen, weil erst von “zusenden” auf “selber drucken” umgestellt werden muss. Und selbst im Schnellverfahren auf dem kurzen Dienstweg der Postbank dauert das länger, als das JobCenter offen hat.
Ich gehe also zu ELVIS um mich von Dagmar beraten zu lassen. Sie telefoniert für mich mit dem Amt für soziales Wohnen und findet heraus, dass ich am nächsten Tag einen Antrag auf einstweilige Anordnung äh klar machen soll.
Danke für deine Hilfe Dagmar!
Das waren meine Notizen, die ich am 30.11. verfasste, sobald ich Zeit hatte; ich wollte keine Details vergessen.
Endlich habe ich Arbeit gefunden! Es hat sich gelohnt, Mitglied des c-base e.V. zu werden, denn ich bin ab Montag in der Firma eines anderes Mitglieds beschäftigt.
Dort werde ich meine brachliegenden PHP-Skills bei der Einrichtung eines Webshops auffrischen können. Später werden dann noch andere Projekte in anderen Programmiersprachen hinzukommen.
Ich freue mich, endlich mal wieder richtig arbeiten zu können. Die Maßnahme bisher war nicht schlecht (ich bekomme immerhin ein Zertifikat), aber mir liegt programmieren mehr als PCs verkaufen.
Es geht voran!
...denn er scheint still zu stehen. Seit etwa 1h warte ich hier mit anderen Bürgern um mir helfen zu lassen bei der Wohnungsfindung. Eine Wohnung suchen kann ich alleine, nur das Finden klappt noch nicht so gut. Die Wartenden warten schweigend; gesprochen wird nur, um die Reihenfolge zu klären: Wer wartet auf welche Tür? und: Wer kommt alles vorher dran? Dabei sollte man klare Worte wählen, denn spricht man nicht aus, dass man als nächstes dran ist, so wird man übergangen und muss noch länger warten. So passierte es mir gerade eben. Schade eigentlich, da ich denke, dass mein “Fall” doch drängt. Nun warte ich und schreibe.
Der Nerd in mir versucht, Muster in dem Linoleum zu erkennen. 3 Farben beflecken die Platten: braun-rot tropft wie zähe Rostschutzfarbe; weiß bröckelt und zerfasert; grau beherrscht in hell und dunkel. Obwohl keine Farbe heraus sticht und sie aus der Entfernung zu einem gleichmäßigen grau zerfließen, ist kein Muster zu erkennen. Aus der Nähe betrachtet stechen die Farben heraus; Einzelheiten im grau erkennt man, sobald man sich darauf konzentriert. Aber aus der Nähe kann man noch weniger ein Muster erkennen. Die Kleckse erinnern an nicht ganz sauber zusammengeschmolzene und -gerührte Kunststoffreste; in ca. gleich große Fetzen zerschnipselt und dann ein einen Bottich geworfen, bei hoher Temperatur einige Minuten gerührt bis alles weich geworden aber noch nicht vermischt ist. Sodann breit und dünn ausrollen und aushärten lassen. Anschließend werden die Bahnen in Stücke geschnitten und an das Rathaus Tempelhof verkauft, in welchem ich mich dann (Jahrzehnte später?) über das Rezept wundern kann.
Immer noch warten! Vom Vordrängler erfahre ich, dass soeben die Computer abgestürzt sind, weshalb er wieder draußen mit uns anderen wartet, während sein und mein Sachbearbeiter telefoniert. Das Computerproblem ist nach kurzer Zeit behoben und der Drängler darf nach drinnen.
Warten, warten, warten! Darauf, dass der Amtsschimmel endlich in die Hufe kommt. Der Drängler verlässt mit dem Sachbearbeiter das Büro und wird ermahnt und wiegelt ab. Der Sachbearbeiter beschwichtigt und dann überrascht er mich, indem er mich erkennt: “Herr P.?” – “Ja.” – “Wollen Sie zu mir?” – ich nicke – “Dauert noch einen kleinen Augenblick”. Der Drängler bekommt Zettel ausgehändigt, und ich erfahre, dass ich tatsächlich noch einen Augenblick warten muss. Jemand anders hatte wohl einen Termin, wird (vor mir) hereingebeten und ich darf noch länger warten.
Wie es weitergeht als ich endlich drankomme, steht auf einem anderen Blatt und gehört zu einer größeren Geschichte, die ich noch schreiben muss. Hü-hott! Auf zum JobCenter Tempelhof-Schöneberg.
Beim JC wird wieder weitergewartet. Es gibt einen Wartebereich, in dem die Bürger warten und reden. Diesmal muss nicht koordiniert werden, denn man zieht eine Nummer und die Nummer wird aufgerufen. Vielmehr warten hier viel mehr Bürger als beim Rathaus, und sie sind im Wartebereich und nicht auf dem Flur. Der Wartebereich selbst geht über in ein (Riesen-)Großraumbüro, wo die Bürger nach dem Warten nun mit ihrem Persönlichen Ansprechpartner (PAP) reden. Das Geräusch ist mehr, leider jedoch kein Meeresrauschen, sondern nur das Plärren aus einem Handy mit Radio (Schon GEZahlt?). Die Bürger warten geduldig, sie haben sich etwas zu lesen mitgebracht oder starren einfach in die Luft – wie auf stand-by. Oder sie starren Löcher in den strapazierfähigen Boden, der schwarz-grauen Widerstand gegen tausende Bürgerschuhe darstellt. Das Radio verstummt, das Gemurmel bleibt, die Nummern steigen, die Bürger warten.
Ich komme dran, und werde nach kurzer Zeit zur nächsten Drohne geschickt; im 2. Stock darf ich diesmal warten, wo ich mit Namen aufgerufen werde, wie mir die erste Drohne aus dem Großraumbüro versichert. Die Wartezeit reicht aus, einen Teil der vielen Antragsformulare auszufüllen. O, Ach! Endlich wieder einen ALG2-Antrag ausfüllen zu dürfen! Die Drohne tippt dann eine Weile Daten in den Computer und schickt mich in den 1. Stock, wo ich – wer hätte das gedacht? – wieder warten darf, um wieder mit Namen aufgerufen zu werden.
Dort fülle ich also den Antrag zu ende aus. Die Drohne wundert sich über die bisherigen Ablehnungen, aber wir beschließen, dass jenes Thema nicht akut ist. Der Antrag wird akzeptiert (was aber nichts heißt). Ich bekomme sogar wieder einen Vorschuss, obwohl sie den Vorschuss vom Dezember zurückfordern…
So richtig Sprunghaft ist der Amtsschimmel nur, wenn es darum geht, noch mehr Unter- und Auflagen von den Bürgern zu verlangen. Ansonsten steht er sehr behäbig herum und rührt sich nur unwillig und schwerfällig und nach langer Bedenkzeit, wenn der Bürger etwas will. Für viele Bürger ist dies bestimmt Alltag, aber für mich ist das eine neue Erfahrung, die erschüttert und empört.
Ich verzichte auf die üblichen Floskeln, auch wenn sie zutreffen. Es ist schwierig auf sie zu verzichten, fallen sie einem doch so leicht ein; man hört sie so oft. Aber ich bin zurzeit beeinflusst durch Deutsch für Profis von Wolf Schneider. In dem Buch gibt es eine Liste von Wörtern und Redewendungen, die man besser nicht benutzen sollte, weil sie abgedroschen sind; weiteres dreschen steigert nicht den Ertrag.
Keine Floskeln also, aber trotzdem starke Worte. Die frohe Botschaft muss verkündet werden! Meine Euphorie schwächt sich schon ab, gibt mir aber noch Schub, dass ich begeistert weiterschreiben kann. Zu diesem aktuellen Anlass macht das Schreiben sogar richtig Spaß. Natürlich sollte man nicht übertreiben vor lauter Begeisterung, vielmehr sollte man endlich sagen um was es geht!
Heute erhielt ich endlich den Brief, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Unscheinbar lag er in meinem Brieffach im Wohnheim, aber der Inhalt war viel mehr: Das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg hat mir endlich einen sogenannten Bewilligungsbescheid geschickt!
Bewilligung heißt vor allem Bewilligung von Leistungen nach dem SGB2, und das heißt: Geld. Vorher hatte ich nichts, nun habe ich immerhin zu wenig. Endlich bin ich aufgestiegen in die Unterschicht, in das Prekariat. Nun kann ich endlich Prekariäre machen.
Diesmal wollte ich alles richtig machen und wirklich mit dem Amt kooperieren. Ich holte mir also ein richtiges, ordnungsgemäßes, unverbindliches Wohnungsangebot von der WBM. Die Wohnung ist zwar klein, aber ich würde sie nehmen: nachdem man lange Zeit erfolglos gesucht hat, nimmt man immer schäbigere Angebote an.
Dieses Wohnungsangebot legte ich dem JC Tempelhof-Schöneberg zur Begutachtung und Bewilligung vor. Ich versuchte deutlich zu machen, dass sie bitte zügig entscheiden mögen, da sich noch andere Wohnungssuchende für die Wohnung interessierten. Und so erhielt ich auch prompt einen Termin – und zwar schon am 9. Februar, einem Freitag. Soweit zu “zügig”: “Eilig? Kein Problem! Wir geben Ihnen einen Termin mehr als eine Woche nachdem die Wohnung frei wird; bis dahin hat sich das eh erledigt und wir müssen nicht mehr so hart arbeiten schwere Entscheidungen treffen.” Ich muss mich wohl einstellen auf einen längeren Heimaufenthalt.
Mal sehen, wie es bei anderen Wohnungsbaugesellschaften aussieht: vielleicht ergibt sich ja was Mitte des Monats?
Nachtrag: Angebot vom Montag, am Dienstag morgen vorgelegt; am Dienstag nachmittag kommt der Anruf der Verwalterin, dass die Wohnung jetzt vermietet ist an einen jungen Mann der zuhause ausziehen musste und sehr verzweifelt war (kennt man das nicht irgendwoher? von mir selbst gar?). Tja, so ist das wenn das Amt zügig arbeitet. Es hat mich aber nicht so traurig gemacht, denn es war ja schon das zweite Mal, dass ich keine Wohnung bekam durch die Behäbigkeit des JobCenters Tempelhof-Schöneberg.
Die erste Sprosse auf der Prekariats-Leiter erklimmt man, in dem man sich ein Wohnungsangebot holt vom Eigentümer der Wohnung. Die Wohnungsbau-Gesellschaften, -Genossenschaften und -Vereine kennen das; sie wissen was zu tun ist und wie das Wohnungsangebot aussehen muss.
Um die zweite Sprosse der Prekariats-Leiter zu erklimmen, muss das Wohnungsangebot dem PAP vorgelegt werden. Der PAP prüft dann, ob die Wohnung angemessen ist.
Nach dem der PAP sein OK gegeben hat, ist man ziemlich weit gekommen; nur noch der dritte Schritt fehlt um die eigene Wohnung beziehen zu können.
Der Mietvertrag muss natürlich noch unterschrieben werden – ab jetzt hat man die Wohnung!
Das Scharmützel (der Krieg) dauert aber noch ein bisschen an. Im Englischen gibt es dafür den Begriff aftermath.
Die Aufräumarbeiten hier sind Folgende: Mietvertrag vorlegen wegen KdU(Kosten der Unterkunft); ummelden beim Bürgerbüro (die kann auch schon vor dem Umzug geschehen); melden beim nun zuständigen Jobcenter.
Ich kann mich gar nicht so richtig freuen – ständig befürchte ich, dass noch etwas dazwischenkommt und meine Wohnträume zerstört. Man lernt zu zweifeln und zu warten. Der Konflikt: ich gehe davon aus, “dass es klappt”, möchte aber nicht nochmal so enttäuscht werden und halte meine Freude stark zurück, bis ich wirklich dort wohne.
Es fing an, als der Ehrgeiz zu groß wurde und der Wunsch/die Gier nach Geld überhand nahm. Es ging weiter damit, dass der Erfolg hinter den Wunsch und Wahnvorstellungen Erwartungen zurückblieb. Und dann ging das Geld aus.
Geschockt durch den Absturz verkroch ich mich hinter meiner Depression. Dort war es bequem, behaglich und sicher – schön war es nicht.
Endlich ergab sich der Umzug nach Berlin! Dies bot die Chance, durch Ortsveränderung auch die innere Welt zu verändern und in Ordnung zu bringen.
Obwohl der Wohnungsmarkt angeblich so entspannt ist in Berlin, hatte ich mich vorher so weit von der Welt zurückgezogen, dass mich von 30 WGs nur eine aufnehmen wollte. Dies nahm das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg zum Anlass, sich der Wohnungsfindung zu widersetzen.
Da ich niemanden finden konnte, der mir trotz der extrem prekären Lage eine Wohnung vermieten würde, musste ich mich an das Sozialamt wenden. Zwei weitere Wochen suchte ich erfolglos, dann sprach ich erneut vor. Der freundliche Mitarbeiter des Sozialamtes brachte mich daraufhin unter in dem Männerwohnheim des Internationalen Bundes, wo ich zurzeit auf unbestimmte Zeit wohne…bis ich endlich eine Wohnung finde.
Und mögen die Wogen der Verzweiflung noch so hoch schlagen, ICH werde nicht in Selbstmitleid ertrinken!
So sprach das housetier und erbrach folgende Gedanken:
Wer sensibel ist, gewöhnt sich nicht so leicht an Ablehnung. Auch wenn man dreimal täglich hört “du nicht”, stumpft man nicht ab, sondern erfährt jedes Mal wieder, wie bitter Misserfolg schmeckt.
Nun gut, kommen wir mal wieder herunter vom emotionalen Berg und betreten das Tal der Reflexion.
Diese häufigen Ablehnungen können viele Ursachen haben:
Wir verlassen das Tal der Reflexion wieder und am Horizont können Sie schon einen Silberstreif erkennen.
beispielhaft, chronologisch, mehr oder weniger detailliert; trotzdem ein schlechtes Beispiel, denn so kommt man nicht zu ALG2.
Das JobCenter Tempelhof-Schöneberg ringt sich dazu durch, meinen ALG2-Antrag abzulehnen. Ich ahne noch nichts davon.
Vielleicht haben sie schon vorher gerungen, auf jeden Fall trägt der Bescheid das Datum vom 16. November.
Mein CaseManager ruft mich an und sagt den Termin am 1. Dezember ab; er denkt ich wüsste schon von der Ablehnung, die “am 16. raus ist”. Wenn ich bis Ende der Woche noch nichts vom JobCenter Tempelhof-Schöneberg gehört habe, soll ich mich bei ihm melden und er veranlasst dann, dass ein neuer Bescheid geschickt wird.
Das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg meint im Ablehnungsbescheid, das Einkommen meiner Mutter würde vollkommen ausreichen, mich auch noch mit durchzufüttern; ja, es würde sogar noch was nachbleiben! Keine Rede ist von Bedarfs- oder Haushaltsgemeinschaften, nur von Einkommen. Selbst ich habe auf einmal welches!
Ich bin empört und verärgert und verzweifelt.
Der AK ELVIS bietet eine Sozialberatung an, die ich auch heute wieder in Anspruch nehme. D. erklärt mir zunächst was die Berechnungsbögen denn berechnen.
Danach schreitet D. zur Tat und formuliert das Widerspruchschreiben für mich. Welches ich am Freitag, 24. November beim JobCenter Tempelhof-Schöneberg abgebe und mir dabei den Empfang bestätigen lasse.
Auf dem Heimweg schreibe ich in mein Tagebüchlein und heraus kommt zu viel Emo, zu wenig Hoffnung, zu viel Stress, zu wenig Durchblick.
Heute sind 5 Besichtigungstermine geplant. Beim Letzten klappt es dann endlich und ich unterschreibe einen Vorvertrag. Eine große Erleichterung tritt ein, da ich den ja nur noch vom JobCenter Tempelhof-Schöneberg absegnen lassen müsste. Es steht alles wichtige drin: Mietgegenstand, Mitbenutzung von Soundso, Kaution, Warmmiete.
Mittwochs, so auch am 29. November 2006, ist das JobCenter Tempelhof-Schöneberg für den gemeinen Pöbel geschlossen: es werden nur terminierte Besucher eingelassen.
Heute kann ich also endlich und hoffnungsvoll meinen Vorvertrag zeigen. Ich bin guter Dinge, den Helfern zum möbeltragen habe ich auch schon Bescheid gegeben.
Das JobCenter Tempelhof-Schöneberg ist allerdings der Ansicht, dass das so nicht geht. Ich bräuchte ein Wohnungsangebot einer Wohnungsbaugesellschaft. Das sagen die mir jetzt, nachdem ich 1 Monat lang nach WGs gesucht habe, weil die günstiger sind. Es hilft kein betteln und kein weinen, der Vorvertrag wird nicht mal richtig zur Kenntnis genommen: “Sie können doch nicht einfach etwas unterschreiben!”.
Ich hatte bei allen vorigen Gesprächen mit den Unsachbearbeitern immer nur von WG-Zimmern gesprochen und wurde nie darauf hingewiesen, dass WG-Zimmer nicht zulässig sind! Also war 1 ganzer Monat FÜR DEN ARSCH. Da war ich ziemlich fertig und bin gleich wieder zum AK ELVIS gegangen.
Dort telefonierte D. dann für mich mit dem Amt für soziales Wohnen und fand nach einiger Zeit und drei Versuchen heraus, dass es wohl am besten sei, wenn ich einen “Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung” stelle.
Das tat ich dann am Freitag morgen beim Sozialgericht Berlin. Allerdings würde auch hier die Bearbeitung ein paar Wochen(!) in Anspruch nehmen, da das JobCenter Tempelhof-Schöneberg auch etwas zu sagen hat in der Sache.
Ein “Wohnungsangebot” muss von einer Wohnungsbaugesellschaft kommen, oder zumindest für eine komplette Wohnung gelten. WG-Zimmer zur Untermiete sind nicht zulässig, da sich ja der Vermieter auf Kosten des Staates bereichern könnte. Das ist noch komplizierter, aber ich blick das nicht ganz. Ich weiß nur: “WG-Zimmer is nich’”.
Drohende Obdachlosigkeit kümmert einige Mitarbeiter im JobCenter Tempelhof-Schöneberg nicht im geringsten.
Irgendwie war die Luft raus. Ich habe aber noch mehr erlebt nach dem 1. Dezember und werde bald darüber berichten.
Ich kann natürlich nur über die Mitarbeiter berichten, mit denen ich zu tun hatte. Immer wenn ich also “JobCenter Tempelhof-Schöneberg” sage, meine ich den jeweiligen Unsachbearbeiter.
Nach dem Desaster der WG-Suche stellte ich also meine Suchstrategie um. Ich wand mich direkt an die Wohnungsbaugesellschaften und sprach bei einigen vor. So auch bei der Wohnungsbaugeselleschaft Berlin Mitte (WBM). Dort erklärte ich meine Situation und erhielt vier Wohnungsangebote. Von diesen kam aber nur eines in Frage, die anderen waren erst ab Februar oder Mitte Januar frei.
Mit dieser Information begab ich mich zum Jobcenter, wo man mir erklärte ich müsse einen ganz neuen Antrag ausfüllen. Die ganze Scheiße ging also wieder von vorne los. Innerhalb des JobCenters hatte mein Auftritt vom 4.12. wohl Wellen geschlagen; jedenfalls erhielt ich einen Anruf ich solle mein Wohnungsangebot doch am darauffolgenden Donnerstag vorlegen, gleich um 8:10 in Zimmer soundso, 2. Stock.
Das klappte dann auch soweit. Ich erklärte mal wieder meine Situation, mir wurde geduldig zugehört. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass man sich sehr wohl in WGs einmieten kann. Aber dann wird die Berechnung der Mietkosten komplizierter. Warum das so ist konnte mir nicht verständlich erklärt werden, hängt aber mit der Gesamtmiete der Wohnung und der Anzahl der Personen zusammen. Die Kosten eines WG-Zimmers sind also schwierig zu berechnen, es sei denn man schaut in den verdammten Mietvertrag wo sie drinstehen!
Wie dem auch sei, der Mitarbeiter prüfte meine Wohnungsangebote wohlwollend und versuchte also die WBM zu kontaktieren um die Nebenkosten der Wohnung zu erfahren. Sodann wollte er die Mietgarantie faxen, damit sie diese so schnell wie möglich haben und ich den Mietvertrag unterzeichnen kann. Er versprach, mich anzurufen sobald er die Mietgarantie gefaxt hat.
Tatsächlich rief er noch am selben Tag an und sagte ich könnte jetzt den Mietvertrag unterschreiben. Ich freute mich sehr, und rief sogleich die Verwalterin der Wohnung an um nochmals mein Interesse zu bekunden und zu sagen, dass ich eine Mietgarantie des JobCenters hätte. Sie bat mich dann noch um Einkommensnachweise, Bescheinigung der Mietschuldenfreiheit und eine Schufa-Selbstauskunft; ich sollte mich am Dienstag bei ihr im Büro melden. Ich gab also 7,60 EUR aus um eine Schufa-Selbstauskunft zu erhalten. 7,60 EUR sind drei gute Döner: ja so rechnet man, wenn man gar kein Geld hat und auch keines bekommt, da man weder “Kunde” noch Wohnungsbesitzer ist.
Am Montag war ich also wieder beim JobCenter, nachdem ich mit Hilfe von BEQUIT alle möglichen Unterlagen beisammen hatte. Nach der Prüfung der Unterlagen bat ich um einen Vorschuss, da ich ja kein Geld für nichts habe. Aber Regelsatz gibt es erst, wenn ich einen Mietvertrag unterschrieben habe, also Dienstag. Diese Regelung verstehe ich nicht ganz.
Am Dienstag fahre ich also zur Wohnungsverwalterin. Kaum zur Tür teilt sie mir mit, dass sie die Wohnung bereits letzten Donnerstag an jemand anders vermietet hä¤tte. Das war der Donnerstag, an dem ich mir ihr gesprochen hatte. Ich kam mir ziemlich verarscht vor. Auߟerdem wird es mal wieder nichts mit “Stütze”. Ich möchte gerne den Namen dieser hinterrücksen Person nennen, aber ich werde es nicht tun. Sonst bin ich schuld wenn ihr was schlimmes passiert. Ich war sehr verärgert, verzweifelt und hilflos: schon wieder keine Wohnung, wieder Tage ohne Geld.
Auf der Website der WBM fanden sich noch weitere Angebote bis 360 EUR warm. Ich rief also noch am gleichen Tag andere Verwalter an und fragte, ob diese oder jene Wohnung noch frei ist. Manche waren schon vergeben, andere laut Expose frei ab sofort, laut Verwalterin aber erst ab Februar. So ging das eine Weile weiter und ich fand eine Wohnung, bei der sich am selben Abend entscheiden würde ob sie von jemand anders genommen wird, oder ob sie am nächsten Tag wieder ab sofort zu haben ist. Dort werde ich also morgen früh anrufen und erfahren, was sich ergeben hat.
Die Verwalterin einer anderen Wohnung konnte ich nicht erreichen, mit dem derzeitigen Mieter wurde ich einig, dass ich noch am selben Abend (heute, Dienstag wohlgemerkt) vorbeikomme zum anschauen. Nicht schlecht die Wohnung: renovierte Platte; nicht schlecht die Lage: Frankfurter Allee; “nicht schlecht” die Anzahl der Mitbewerber: 8. Außerdem ist diese nicht ab sofort sondern erst ab 1. Januar frei. Keine Ahnung wie ich das hinkriegen soll, ich muss doch meine Möbel wieder auslösen und irgendwoanders unterbringen!
Viel Text, aber keine Hyperlinks: das kommt morgen dann, ich musste dies erstmal von der Seele schreiben.
Bitte Fragen stellen, damit ich sie beantworten kann!
Ja ich hab heute endlich einen Vorschuss auf den Regelsatz bekommen. D.h. das verdammte JobCenter hat endlich meine Hilfebedürftigkeit anerkannt.
Aus schierer Verzweiflung hatte ich einen Untermietvertrag mit meiner Mutter abgeschlossen und diesen vorgelegt. Der Vertrag wurde akzeptiert und kurze Zeit später bekam ich eine aufgeladene Geldkarte, mit der man am Auszahlungsterminal Bargeld bekommt.
Ich bin sehr erleichtert, aber die Geschichte ist mit Sicherheit noch nicht zu Ende!
Als nächstes kommt bestimmt die Eingliederungsvereinbarung; hierbei werden die meisten Versager Schmarotzer Bürger Hartz4-Empfänger “nicht so toll behandelt”.
Dann läuft ja immer noch das Widerspruchsverfahren gegen den Ablehnungsbescheid meines ersten Antrags.
Und schließlich will ich nicht verheimlichen, dass ich hier bei Mutter nur begrenzte Zeit wohnen kann: am 31. Januar ist “Schluss mit Lustig” (haha). Aber immerhin kann ich, sobald die Trägerkarte da ist, mir billigen Nahverkehr kaufen, zur Arbeit fahren, anständig essen und eine angemessene Wohnung suchen. Dann geht das Spiel mit der Genehmigung von vorne los; es wird wohl besser laufen wird, da ich nun über ein wenig Erfahrung verfüge, wie man mit den Wohnungsbaugesellschaften und dem JobCenter umzugehen hat.
Zum Einen war ich sehr verzweifelt, zum Anderen war ich der vielen Wiederholungen überdrüssig die sich ergeben haben wenn ich beim JobCenter “vorsprach”. Also setzte ich mich hin, riss mich zusammen und schrieb eine Art Hilferuf, Situationsbeschreibung, Bettelbrief; irgendwas in der Art.
Ich weiß nicht, ob dieses Schreiben die Entscheidung des JobCenters beeinflusst hat. Ich weiß aber, dass es mir geholfen hat stark zu bleiben (so abgedroschen das auch klingen mag). Ich hoffte mir dadurch die ganze Erklärungsarbeit, die ich bisher mündlich geleistet hatte, sparen zu können um mich besser auf die Schikane das Sachliche konzentrieren zu können.
Ich gebe hier das Schreiben wieder, so wie ich es auch ausdruckte und unterschrieb und einer Mitarbeiterin des JobCenters aushändigte. Vielleicht berührt oder inspiriert es den Eine oder die Andere; vielleicht bleibt es wirkungs- und hilflos. Vielleicht ist es unangebracht, aber hier ist es:
Lasse Pommerenke
ohne Wohnsitz, in Berlin
Dezember 2006Ich bin zurzeit mittellos und wohnsitzlos. Ich habe kein Geld und keine Wohnung. Ich habe jedoch Möbel, Bücher und Geschirr; diese sind zurzeit untergestellt und ich nutze sie nicht.
Seit einigen Wochen suche ich nach Wohnraum für unter 360 Euro Warmmiete. Als ich Ende November ein WG-Zimmer fand und einen Vorvertrag abschloss, wurde dies abgelehnt, da ich noch kein “Kunde” war. Am 1. Dezember warf meine Mutter mich raus. Seit diesem Tag habe ich keinen festen Wohnsitz. Ich bin noch nicht obdachlos gemeldet, da ich immerhin vereinbaren konnte, benachrichtigt zu werden, wenn Post für mich an der Meldeadresse ankommt.
Am 4. Dezember stellte ich daher einen neuen Antrag auf ALG2. Ich besorgte mir Wohnungsangebote einer Wohnungsbaugesellschaft. Eine dieser Wohnung war “ab sofort” frei, ich bat um Erteilung der Mietgarantie für diese Wohnung. Diese Mietgarantie wurde erteilt und mir wurde telefonisch gestattet den Mietvertrag zu unterschreiben. Leider war die Wohnung inzwischen an jemand anders vermietet worden. Ich bin also immer noch wohnungslos, mittellos, und bald auch hoffnungslos.
Durch Telefonate fand ich heraus, dass die Wohnungssituation zurzeit sehr schlecht ist, es keine freien Wohnung gibt. Freie Wohnungen gibt es derzeit erst ab 1. Februar 2007. Solange kann ich aber nicht auf der Straße, bei Freunden, bei Bekannten, oder mir gänzlich unbekannten Personen wohnen. Die wenigen Freunde und Bekannte sind nicht mehr in der Lage, mir sowohl Schlafplatz, Telefon, Essen und Warmwasser zur Verfügung zu stellen.
Auch kann ich meine Möbel (mein einziger mir verbliebener Besitz) nicht so lange an ihrem jetzigen Ort untergestellt lassen; sie werden spätestens am 31. Dezember entfernt, danach ist der Stellplatz an eine andere Person vergeben. Ich habe auch kein Geld um sie woanders unterzustellen.
Ich habe die Situation mit meiner Mutter besprochen, sie hat sich bereit erklärt, mir ein Zimmer der Wohnung befristet zu vermieten.
Ich bitte daher, endlich meine Hilfsbedürftigkeit anzuerkennen, damit den Regelsatz zu bewilligen und schließlich die Mietkosten für das Zimmer laut beiliegendem Untermietvertrag zu übernehmen. Der Winter verschlimmert meine Notlage noch.
Ich bin mittellos und kann die Miete nicht selber zahlen. Ich bin obdachlos und finde keine Wohnung, die ab sofort frei ist und weniger als 360 Euro warm kostet. Wenn die Miete gezahlt wird, hätte ich befristet ein Zimmer und könnte meine Möbel dort einstellen. Den Transport der Möbel könnte ich vom Regelsatz bezahlen, es entstünden keine Umzugskosten, für die das JobCenter aufkommen müsste.
Ebenso hätte ich die Chance Wohnungsangebote für angemessene Wohnungen zu erhalten und diese dem JobCenter vorzulegen, in der Hoffnung das JobCenter würde auch hierfür eine Mietgarantie aussprechen.
Wird der beiliegende Untermietvertrag nicht akzeptiert, so bitte ich um sofortige Zuweisung von Wohnraum und zwar ohne Möbel. Ich bin verzweifelt genug, irgendwo zu wohnen, aber ich möchte nicht meinen letzten Besitz verlieren.
Ich weise nochmal darauf hin, dass ich mittellos bin. Das Geld für Fahrkarten und Essen leihe ich mir oder bettele Menschen auf der Straße an. Ich brauche dringend Unterstützung. Ich kann mir zwar Arbeit suchen, dort aber nicht regelmäßig erscheinen, da ich nicht ausreichend Geld zusammenbekomme um täglich Nahverkehr zu fahren: das erbettelte Geld reicht entweder für ein Ticket oder einen Döner.
Bitte lassen sie mich also in der Wohnung meiner Mutter zur Untermiete wohnen, bitte anerkennen sie endlich meine Hilfebedürftigkeit, bitte gewähren Sie mir einen Vorschuss auf den Regelsatz damit ich ich mir das Sozialticket und regelmäßige Mahlzeiten kaufen kann.
Dick aufgetragen, in der Tat. Aber die Lyrik soll nicht die Tatsachen verschleiern, sondern eindringlicher geltend machen.
ja, mal kurz so zwischendurch: das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg hat meinen zweiten Antrag also wieder abgelehnt mit dergleichen Begründung wie beim ersten Mal. Ich hatte zwar einen Untermietvertrag, so dass man nicht davon ausgehen kann, dass ich “für frei” wohne, aber mit so unwichtigen Details gibt sich das Jobcenter gar nicht erst ab.
Nun muss ich also mal wieder Widerspruch einlegen, das dauert wieder ewig bis die in die Puschen kommen; und ab 1.2.2007 muss ich ja auf jeden Fall eine eigene Bude gefundenhaben, die dem JC auch zusagt…
Status: 2 Widerspruchsverfahren, 1 einzige Scheiße, 0 Kohle.
Bei dieser Gelegenheit frag ich mich woher sie die Daten über das Einkommen meiner Mutter hatten, denn: meine Daten muss ich je-des-mal wieder ausfüllen, weil sie die nicht einfach übernehmen können. Aber bei sensiblen Daten Dritter gibt es diese Schwierigkeiten auf einmal nicht mehr. Aber auch hier kommt wieder eine Unsicherheit ins Spiel. Die Auskunft, dass meine Daten nicht einfach übernommen werden können, wurde mündlich gegeben und auf mündliche Auskünfte kann man beim JC wohl nichts geben – man muss sich alles schriftlich geben lassen!