Der Staat vs. Die Gemeinschaft

Bild von housetier

nullter Teil

Ich hatte ja schon mal über meine Hartz4-Erfahrungen berichtet. Nun kommt der Saga erster Teil, und es wird wahrscheinlich nicht der letzte Teil sein. “Erster Teil” deshalb, weil ich nun wirklich mal beim JobCenter war.

erster Teil

Ich stell mich also an und muss meinen Ausweis aushändigen. Mit diesem geht der freundliche Mitarbeiter dann in ein Hinterzimmer und macht weiß-der-Geier was damit (Abgleich mit Fahndungslisten, Asylbetrügerverzeichnis, Hooligan-Sperrdatei, SWIFT...). Dann bekomme ich meine Identität wieder und darf nach oben zum Antragsbearbeitungsraumwartezimmer gehen.

Nach kurzer Zeit werde ich aufgerufen und eine nette junge hübsche Mitarbeiterin prüft meine Unterlagen auf Vollständigkeit. Meine Unterlagen sind vollständig und ich darf einen Zettel ausfüllen bezüglich meiner bisherigen Ausbildungen, Anstellungsverhältnisse und so.

Ich bin noch nicht fertig, schon darf ich nächste Büro, wo eine ältere Mitarbeiterin den Computer und mich befragt. Ich war wohl sehr naiv in der Vergangenheit und bin nicht im Computer der Arbeitsagentur zu finden; für das JobCenter bedeutet das, ich war faul und habe mich nicht richtig um Arbeit bemüht. Diese Mitarbeiterin stellt fest, dass ich älter bin als 25 und daher ganz alleine eine Bedarfsgemeinschaft bilde.

Ich bekomme einen Termin mit meinem Case-Manager am 1.12.2006. Bevor ich das Gebäude auf Umwegen verlasse, frage ich nach wie das mit der Wohnung abläuft; sie antwortet, dass bis 360 EUR warm die Kosten übernommen werden und ich soll zum nächsten Termin einen Untermietvertrag mitbringen (ich habe ja erwähnt, dass ich in eine WG wollte).

zweiter Teil

Inzwischen erhielt ich einen Zwischenbericht, laut dem ich nicht alle nötigen Unterlagen abgegeben hätte und dies doch bitte schnellstmöglich tun soll. Ich gehe also wieder zum JobCenter, stelle mich an, verliere und wiedererlange meine Identität, darf ins Wartezimmer, werde quasi sofort aufgerufen (wofür hatte ich eigentlich ein Buch mit?) und es stellt sich heraus, dass ich an der “falschen Adresse” bin.

Das ist aber halb so schlimm, denn ich wieder über verschlungene Wege ein Stockwerk höher und in den anderen Flügel des großen Gebäudes geführt. Dort darf ich dann im Flur warten. Endlich bin ich in der Unterschicht angekommen: ein langer, nackter Flur mit gelegentlichen Stühlen vor den Türen. Ich werde dann aufgerufen von der netten jungen hübschen Mitarbeiterin der Vorwoche; sie kann sich auch an mich erinnern.

WTF

Allerdings ist ihr nicht ganz klar was ich hier soll (WTF?) und geht nachforschen. Nachdem ich sie darauf hinweise, dass ich ja schon älter als 25 bin, denkt sie wahrscheinlich auch “WTF?” und geht wieder bei der Person nachforschen, die meinen Antrag bearbeitet hat: die angeforderten Unterlagen sind nicht alle nötig, zur Sicherheit macht sie aber eine Kopie des Mietvertrages meiner Mutter (ich bin keine Partei dieses Vertrages).

WTF

Ich reiße nochmals meine Possen von wegen “wenn ich obdachlos wäre, wäre das alles einfacher” und “ab Dezember sitz ich dann auf der Straße” wenn das JobCenter nicht mal zu Potte kommt. Ohne Einkommen kann ich keine Miete zahlen, es ist auch fraglich ob ich ohne jegliche Sicherheiten (nicht mal einen Bescheid meiner Hilfsbedürftigkeit habe ich) überhaupt einen Mietvertrag zur Unterschrift kriege… Nebenbei wird erwähnt, dass sich meine Mutter nächstes Jahr wahrscheinlich einer Überprüfung ihrer Unterhaltspflicht unterziehen muss (WTF?).

So sieht’s aus

Ich habe noch keinen Bescheid, keine Wohnung, keinen Job.

Kacke!