Zum Einen war ich sehr verzweifelt, zum Anderen war ich der vielen Wiederholungen überdrüssig die sich ergeben haben wenn ich beim JobCenter “vorsprach”. Also setzte ich mich hin, riss mich zusammen und schrieb eine Art Hilferuf, Situationsbeschreibung, Bettelbrief; irgendwas in der Art.
Ich weiß nicht, ob dieses Schreiben die Entscheidung des JobCenters beeinflusst hat. Ich weiß aber, dass es mir geholfen hat stark zu bleiben (so abgedroschen das auch klingen mag). Ich hoffte mir dadurch die ganze Erklärungsarbeit, die ich bisher mündlich geleistet hatte, sparen zu können um mich besser auf die Schikane das Sachliche konzentrieren zu können.
Ich gebe hier das Schreiben wieder, so wie ich es auch ausdruckte und unterschrieb und einer Mitarbeiterin des JobCenters aushändigte. Vielleicht berührt oder inspiriert es den Eine oder die Andere; vielleicht bleibt es wirkungs- und hilflos. Vielleicht ist es unangebracht, aber hier ist es:
Lasse Pommerenke
ohne Wohnsitz, in Berlin
Dezember 2006Ich bin zurzeit mittellos und wohnsitzlos. Ich habe kein Geld und keine Wohnung. Ich habe jedoch Möbel, Bücher und Geschirr; diese sind zurzeit untergestellt und ich nutze sie nicht.
Seit einigen Wochen suche ich nach Wohnraum für unter 360 Euro Warmmiete. Als ich Ende November ein WG-Zimmer fand und einen Vorvertrag abschloss, wurde dies abgelehnt, da ich noch kein “Kunde” war. Am 1. Dezember warf meine Mutter mich raus. Seit diesem Tag habe ich keinen festen Wohnsitz. Ich bin noch nicht obdachlos gemeldet, da ich immerhin vereinbaren konnte, benachrichtigt zu werden, wenn Post für mich an der Meldeadresse ankommt.
Am 4. Dezember stellte ich daher einen neuen Antrag auf ALG2. Ich besorgte mir Wohnungsangebote einer Wohnungsbaugesellschaft. Eine dieser Wohnung war “ab sofort” frei, ich bat um Erteilung der Mietgarantie für diese Wohnung. Diese Mietgarantie wurde erteilt und mir wurde telefonisch gestattet den Mietvertrag zu unterschreiben. Leider war die Wohnung inzwischen an jemand anders vermietet worden. Ich bin also immer noch wohnungslos, mittellos, und bald auch hoffnungslos.
Durch Telefonate fand ich heraus, dass die Wohnungssituation zurzeit sehr schlecht ist, es keine freien Wohnung gibt. Freie Wohnungen gibt es derzeit erst ab 1. Februar 2007. Solange kann ich aber nicht auf der Straße, bei Freunden, bei Bekannten, oder mir gänzlich unbekannten Personen wohnen. Die wenigen Freunde und Bekannte sind nicht mehr in der Lage, mir sowohl Schlafplatz, Telefon, Essen und Warmwasser zur Verfügung zu stellen.
Auch kann ich meine Möbel (mein einziger mir verbliebener Besitz) nicht so lange an ihrem jetzigen Ort untergestellt lassen; sie werden spätestens am 31. Dezember entfernt, danach ist der Stellplatz an eine andere Person vergeben. Ich habe auch kein Geld um sie woanders unterzustellen.
Ich habe die Situation mit meiner Mutter besprochen, sie hat sich bereit erklärt, mir ein Zimmer der Wohnung befristet zu vermieten.
Ich bitte daher, endlich meine Hilfsbedürftigkeit anzuerkennen, damit den Regelsatz zu bewilligen und schließlich die Mietkosten für das Zimmer laut beiliegendem Untermietvertrag zu übernehmen. Der Winter verschlimmert meine Notlage noch.
Ich bin mittellos und kann die Miete nicht selber zahlen. Ich bin obdachlos und finde keine Wohnung, die ab sofort frei ist und weniger als 360 Euro warm kostet. Wenn die Miete gezahlt wird, hätte ich befristet ein Zimmer und könnte meine Möbel dort einstellen. Den Transport der Möbel könnte ich vom Regelsatz bezahlen, es entstünden keine Umzugskosten, für die das JobCenter aufkommen müsste.
Ebenso hätte ich die Chance Wohnungsangebote für angemessene Wohnungen zu erhalten und diese dem JobCenter vorzulegen, in der Hoffnung das JobCenter würde auch hierfür eine Mietgarantie aussprechen.
Wird der beiliegende Untermietvertrag nicht akzeptiert, so bitte ich um sofortige Zuweisung von Wohnraum und zwar ohne Möbel. Ich bin verzweifelt genug, irgendwo zu wohnen, aber ich möchte nicht meinen letzten Besitz verlieren.
Ich weise nochmal darauf hin, dass ich mittellos bin. Das Geld für Fahrkarten und Essen leihe ich mir oder bettele Menschen auf der Straße an. Ich brauche dringend Unterstützung. Ich kann mir zwar Arbeit suchen, dort aber nicht regelmäßig erscheinen, da ich nicht ausreichend Geld zusammenbekomme um täglich Nahverkehr zu fahren: das erbettelte Geld reicht entweder für ein Ticket oder einen Döner.
Bitte lassen sie mich also in der Wohnung meiner Mutter zur Untermiete wohnen, bitte anerkennen sie endlich meine Hilfebedürftigkeit, bitte gewähren Sie mir einen Vorschuss auf den Regelsatz damit ich ich mir das Sozialticket und regelmäßige Mahlzeiten kaufen kann.
Dick aufgetragen, in der Tat. Aber die Lyrik soll nicht die Tatsachen verschleiern, sondern eindringlicher geltend machen.
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