Ich verzichte auf die üblichen Floskeln, auch wenn sie zutreffen. Es ist schwierig auf sie zu verzichten, fallen sie einem doch so leicht ein; man hört sie so oft. Aber ich bin zurzeit beeinflusst durch Deutsch für Profis von Wolf Schneider. In dem Buch gibt es eine Liste von Wörtern und Redewendungen, die man besser nicht benutzen sollte, weil sie abgedroschen sind; weiteres dreschen steigert nicht den Ertrag.
Keine Floskeln also, aber trotzdem starke Worte. Die frohe Botschaft muss verkündet werden! Meine Euphorie schwächt sich schon ab, gibt mir aber noch Schub, dass ich begeistert weiterschreiben kann. Zu diesem aktuellen Anlass macht das Schreiben sogar richtig Spaß. Natürlich sollte man nicht übertreiben vor lauter Begeisterung, vielmehr sollte man endlich sagen um was es geht!
Heute erhielt ich endlich den Brief, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Unscheinbar lag er in meinem Brieffach im Wohnheim, aber der Inhalt war viel mehr: Das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg hat mir endlich einen sogenannten Bewilligungsbescheid geschickt!
Bewilligung heißt vor allem Bewilligung von Leistungen nach dem SGB2, und das heißt: Geld. Vorher hatte ich nichts, nun habe ich immerhin zu wenig. Endlich bin ich aufgestiegen in die Unterschicht, in das Prekariat. Nun kann ich endlich Prekariäre machen.
Ja ich hab heute endlich einen Vorschuss auf den Regelsatz bekommen. D.h. das verdammte JobCenter hat endlich meine Hilfebedürftigkeit anerkannt.
Aus schierer Verzweiflung hatte ich einen Untermietvertrag mit meiner Mutter abgeschlossen und diesen vorgelegt. Der Vertrag wurde akzeptiert und kurze Zeit später bekam ich eine aufgeladene Geldkarte, mit der man am Auszahlungsterminal Bargeld bekommt.
Ich bin sehr erleichtert, aber die Geschichte ist mit Sicherheit noch nicht zu Ende!
Als nächstes kommt bestimmt die Eingliederungsvereinbarung; hierbei werden die meisten Versager Schmarotzer Bürger Hartz4-Empfänger “nicht so toll behandelt”.
Dann läuft ja immer noch das Widerspruchsverfahren gegen den Ablehnungsbescheid meines ersten Antrags.
Und schließlich will ich nicht verheimlichen, dass ich hier bei Mutter nur begrenzte Zeit wohnen kann: am 31. Januar ist “Schluss mit Lustig” (haha). Aber immerhin kann ich, sobald die Trägerkarte da ist, mir billigen Nahverkehr kaufen, zur Arbeit fahren, anständig essen und eine angemessene Wohnung suchen. Dann geht das Spiel mit der Genehmigung von vorne los; es wird wohl besser laufen wird, da ich nun über ein wenig Erfahrung verfüge, wie man mit den Wohnungsbaugesellschaften und dem JobCenter umzugehen hat.