Die erste Sprosse auf der Prekariats-Leiter erklimmt man, in dem man sich ein Wohnungsangebot holt vom Eigentümer der Wohnung. Die Wohnungsbau-Gesellschaften, -Genossenschaften und -Vereine kennen das; sie wissen was zu tun ist und wie das Wohnungsangebot aussehen muss.
Um die zweite Sprosse der Prekariats-Leiter zu erklimmen, muss das Wohnungsangebot dem PAP vorgelegt werden. Der PAP prüft dann, ob die Wohnung angemessen ist.
Nach dem der PAP sein OK gegeben hat, ist man ziemlich weit gekommen; nur noch der dritte Schritt fehlt um die eigene Wohnung beziehen zu können.
Der Mietvertrag muss natürlich noch unterschrieben werden – ab jetzt hat man die Wohnung!
Das Scharmützel (der Krieg) dauert aber noch ein bisschen an. Im Englischen gibt es dafür den Begriff aftermath.
Die Aufräumarbeiten hier sind Folgende: Mietvertrag vorlegen wegen KdU(Kosten der Unterkunft); ummelden beim Bürgerbüro (die kann auch schon vor dem Umzug geschehen); melden beim nun zuständigen Jobcenter.
Ich kann mich gar nicht so richtig freuen – ständig befürchte ich, dass noch etwas dazwischenkommt und meine Wohnträume zerstört. Man lernt zu zweifeln und zu warten. Der Konflikt: ich gehe davon aus, “dass es klappt”, möchte aber nicht nochmal so enttäuscht werden und halte meine Freude stark zurück, bis ich wirklich dort wohne.
Nach dem Desaster der WG-Suche stellte ich also meine Suchstrategie um. Ich wand mich direkt an die Wohnungsbaugesellschaften und sprach bei einigen vor. So auch bei der Wohnungsbaugeselleschaft Berlin Mitte (WBM). Dort erklärte ich meine Situation und erhielt vier Wohnungsangebote. Von diesen kam aber nur eines in Frage, die anderen waren erst ab Februar oder Mitte Januar frei.
Mit dieser Information begab ich mich zum Jobcenter, wo man mir erklärte ich müsse einen ganz neuen Antrag ausfüllen. Die ganze Scheiße ging also wieder von vorne los. Innerhalb des JobCenters hatte mein Auftritt vom 4.12. wohl Wellen geschlagen; jedenfalls erhielt ich einen Anruf ich solle mein Wohnungsangebot doch am darauffolgenden Donnerstag vorlegen, gleich um 8:10 in Zimmer soundso, 2. Stock.
Das klappte dann auch soweit. Ich erklärte mal wieder meine Situation, mir wurde geduldig zugehört. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass man sich sehr wohl in WGs einmieten kann. Aber dann wird die Berechnung der Mietkosten komplizierter. Warum das so ist konnte mir nicht verständlich erklärt werden, hängt aber mit der Gesamtmiete der Wohnung und der Anzahl der Personen zusammen. Die Kosten eines WG-Zimmers sind also schwierig zu berechnen, es sei denn man schaut in den verdammten Mietvertrag wo sie drinstehen!
Wie dem auch sei, der Mitarbeiter prüfte meine Wohnungsangebote wohlwollend und versuchte also die WBM zu kontaktieren um die Nebenkosten der Wohnung zu erfahren. Sodann wollte er die Mietgarantie faxen, damit sie diese so schnell wie möglich haben und ich den Mietvertrag unterzeichnen kann. Er versprach, mich anzurufen sobald er die Mietgarantie gefaxt hat.
Tatsächlich rief er noch am selben Tag an und sagte ich könnte jetzt den Mietvertrag unterschreiben. Ich freute mich sehr, und rief sogleich die Verwalterin der Wohnung an um nochmals mein Interesse zu bekunden und zu sagen, dass ich eine Mietgarantie des JobCenters hätte. Sie bat mich dann noch um Einkommensnachweise, Bescheinigung der Mietschuldenfreiheit und eine Schufa-Selbstauskunft; ich sollte mich am Dienstag bei ihr im Büro melden. Ich gab also 7,60 EUR aus um eine Schufa-Selbstauskunft zu erhalten. 7,60 EUR sind drei gute Döner: ja so rechnet man, wenn man gar kein Geld hat und auch keines bekommt, da man weder “Kunde” noch Wohnungsbesitzer ist.
Am Montag war ich also wieder beim JobCenter, nachdem ich mit Hilfe von BEQUIT alle möglichen Unterlagen beisammen hatte. Nach der Prüfung der Unterlagen bat ich um einen Vorschuss, da ich ja kein Geld für nichts habe. Aber Regelsatz gibt es erst, wenn ich einen Mietvertrag unterschrieben habe, also Dienstag. Diese Regelung verstehe ich nicht ganz.
Am Dienstag fahre ich also zur Wohnungsverwalterin. Kaum zur Tür teilt sie mir mit, dass sie die Wohnung bereits letzten Donnerstag an jemand anders vermietet hä¤tte. Das war der Donnerstag, an dem ich mir ihr gesprochen hatte. Ich kam mir ziemlich verarscht vor. Auߟerdem wird es mal wieder nichts mit “Stütze”. Ich möchte gerne den Namen dieser hinterrücksen Person nennen, aber ich werde es nicht tun. Sonst bin ich schuld wenn ihr was schlimmes passiert. Ich war sehr verärgert, verzweifelt und hilflos: schon wieder keine Wohnung, wieder Tage ohne Geld.
Auf der Website der WBM fanden sich noch weitere Angebote bis 360 EUR warm. Ich rief also noch am gleichen Tag andere Verwalter an und fragte, ob diese oder jene Wohnung noch frei ist. Manche waren schon vergeben, andere laut Expose frei ab sofort, laut Verwalterin aber erst ab Februar. So ging das eine Weile weiter und ich fand eine Wohnung, bei der sich am selben Abend entscheiden würde ob sie von jemand anders genommen wird, oder ob sie am nächsten Tag wieder ab sofort zu haben ist. Dort werde ich also morgen früh anrufen und erfahren, was sich ergeben hat.
Die Verwalterin einer anderen Wohnung konnte ich nicht erreichen, mit dem derzeitigen Mieter wurde ich einig, dass ich noch am selben Abend (heute, Dienstag wohlgemerkt) vorbeikomme zum anschauen. Nicht schlecht die Wohnung: renovierte Platte; nicht schlecht die Lage: Frankfurter Allee; “nicht schlecht” die Anzahl der Mitbewerber: 8. Außerdem ist diese nicht ab sofort sondern erst ab 1. Januar frei. Keine Ahnung wie ich das hinkriegen soll, ich muss doch meine Möbel wieder auslösen und irgendwoanders unterbringen!
Viel Text, aber keine Hyperlinks: das kommt morgen dann, ich musste dies erstmal von der Seele schreiben.
Bitte Fragen stellen, damit ich sie beantworten kann!
Und mögen die Wogen der Verzweiflung noch so hoch schlagen, ICH werde nicht in Selbstmitleid ertrinken!
So sprach das housetier und erbrach folgende Gedanken:
Wer sensibel ist, gewöhnt sich nicht so leicht an Ablehnung. Auch wenn man dreimal täglich hört “du nicht”, stumpft man nicht ab, sondern erfährt jedes Mal wieder, wie bitter Misserfolg schmeckt.
Nun gut, kommen wir mal wieder herunter vom emotionalen Berg und betreten das Tal der Reflexion.
Diese häufigen Ablehnungen können viele Ursachen haben:
Wir verlassen das Tal der Reflexion wieder und am Horizont können Sie schon einen Silberstreif erkennen.