amt

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Low Priority Handling

Der Kunde ist willig…

Diesmal wollte ich alles richtig machen und wirklich mit dem Amt kooperieren. Ich holte mir also ein richtiges, ordnungsgemäßes, unverbindliches Wohnungsangebot von der WBM. Die Wohnung ist zwar klein, aber ich würde sie nehmen: nachdem man lange Zeit erfolglos gesucht hat, nimmt man immer schäbigere Angebote an.

...aber das Amt ist schwach

Dieses Wohnungsangebot legte ich dem JC Tempelhof-Schöneberg zur Begutachtung und Bewilligung vor. Ich versuchte deutlich zu machen, dass sie bitte zügig entscheiden mögen, da sich noch andere Wohnungssuchende für die Wohnung interessierten. Und so erhielt ich auch prompt einen Termin – und zwar schon am 9. Februar, einem Freitag. Soweit zu “zügig”: “Eilig? Kein Problem! Wir geben Ihnen einen Termin mehr als eine Woche nachdem die Wohnung frei wird; bis dahin hat sich das eh erledigt und wir müssen nicht mehr so hart arbeiten schwere Entscheidungen treffen.” Ich muss mich wohl einstellen auf einen längeren Heimaufenthalt.

Mal sehen, wie es bei anderen Wohnungsbaugesellschaften aussieht: vielleicht ergibt sich ja was Mitte des Monats?


Nachtrag: Angebot vom Montag, am Dienstag morgen vorgelegt; am Dienstag nachmittag kommt der Anruf der Verwalterin, dass die Wohnung jetzt vermietet ist an einen jungen Mann der zuhause ausziehen musste und sehr verzweifelt war (kennt man das nicht irgendwoher? von mir selbst gar?). Tja, so ist das wenn das Amt zügig arbeitet. Es hat mich aber nicht so traurig gemacht, denn es war ja schon das zweite Mal, dass ich keine Wohnung bekam durch die Behäbigkeit des JobCenters Tempelhof-Schöneberg.

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Wie das housetier ins Wohnheim kam

Anfang

Es fing an, als der Ehrgeiz zu groß wurde und der Wunsch/die Gier nach Geld überhand nahm. Es ging weiter damit, dass der Erfolg hinter den Wunsch und Wahnvorstellungen Erwartungen zurückblieb. Und dann ging das Geld aus.

Schock

Geschockt durch den Absturz verkroch ich mich hinter meiner Depression. Dort war es bequem, behaglich und sicher – schön war es nicht.

ich werde ein Berliner

Endlich ergab sich der Umzug nach Berlin! Dies bot die Chance, durch Ortsveränderung auch die innere Welt zu verändern und in Ordnung zu bringen.

Wohnungssuche

Obwohl der Wohnungsmarkt angeblich so entspannt ist in Berlin, hatte ich mich vorher so weit von der Welt zurückgezogen, dass mich von 30 WGs nur eine aufnehmen wollte. Dies nahm das Jobcenter Tempelhof-Schöneberg zum Anlass, sich der Wohnungsfindung zu widersetzen.

Heimsuchung

Da ich niemanden finden konnte, der mir trotz der extrem prekären Lage eine Wohnung vermieten würde, musste ich mich an das Sozialamt wenden. Zwei weitere Wochen suchte ich erfolglos, dann sprach ich erneut vor. Der freundliche Mitarbeiter des Sozialamtes brachte mich daraufhin unter in dem Männerwohnheim des Internationalen Bundes, wo ich zurzeit auf unbestimmte Zeit wohne…bis ich endlich eine Wohnung finde.

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Den Amtsschimmel kann man nicht reiten

Warten beim Sozialamt

...denn er scheint still zu stehen. Seit etwa 1h warte ich hier mit anderen Bürgern um mir helfen zu lassen bei der Wohnungsfindung. Eine Wohnung suchen kann ich alleine, nur das Finden klappt noch nicht so gut. Die Wartenden warten schweigend; gesprochen wird nur, um die Reihenfolge zu klären: Wer wartet auf welche Tür? und: Wer kommt alles vorher dran? Dabei sollte man klare Worte wählen, denn spricht man nicht aus, dass man als nächstes dran ist, so wird man übergangen und muss noch länger warten. So passierte es mir gerade eben. Schade eigentlich, da ich denke, dass mein “Fall” doch drängt. Nun warte ich und schreibe.

Der Nerd in mir versucht, Muster in dem Linoleum zu erkennen. 3 Farben beflecken die Platten: braun-rot tropft wie zähe Rostschutzfarbe; weiß bröckelt und zerfasert; grau beherrscht in hell und dunkel. Obwohl keine Farbe heraus sticht und sie aus der Entfernung zu einem gleichmäßigen grau zerfließen, ist kein Muster zu erkennen. Aus der Nähe betrachtet stechen die Farben heraus; Einzelheiten im grau erkennt man, sobald man sich darauf konzentriert. Aber aus der Nähe kann man noch weniger ein Muster erkennen. Die Kleckse erinnern an nicht ganz sauber zusammengeschmolzene und -gerührte Kunststoffreste; in ca. gleich große Fetzen zerschnipselt und dann ein einen Bottich geworfen, bei hoher Temperatur einige Minuten gerührt bis alles weich geworden aber noch nicht vermischt ist. Sodann breit und dünn ausrollen und aushärten lassen. Anschließend werden die Bahnen in Stücke geschnitten und an das Rathaus Tempelhof verkauft, in welchem ich mich dann (Jahrzehnte später?) über das Rezept wundern kann.

Immer noch warten! Vom Vordrängler erfahre ich, dass soeben die Computer abgestürzt sind, weshalb er wieder draußen mit uns anderen wartet, während sein und mein Sachbearbeiter telefoniert. Das Computerproblem ist nach kurzer Zeit behoben und der Drängler darf nach drinnen.

Warten, warten, warten! Darauf, dass der Amtsschimmel endlich in die Hufe kommt. Der Drängler verlässt mit dem Sachbearbeiter das Büro und wird ermahnt und wiegelt ab. Der Sachbearbeiter beschwichtigt und dann überrascht er mich, indem er mich erkennt: “Herr P.?” – “Ja.” – “Wollen Sie zu mir?” – ich nicke – “Dauert noch einen kleinen Augenblick”. Der Drängler bekommt Zettel ausgehändigt, und ich erfahre, dass ich tatsächlich noch einen Augenblick warten muss. Jemand anders hatte wohl einen Termin, wird (vor mir) hereingebeten und ich darf noch länger warten.

Wie es weitergeht als ich endlich drankomme, steht auf einem anderen Blatt und gehört zu einer größeren Geschichte, die ich noch schreiben muss. Hü-hott! Auf zum JobCenter Tempelhof-Schöneberg.

Warten beim Jobcenter Tempelhof-Schöneberg

Beim JC wird wieder weitergewartet. Es gibt einen Wartebereich, in dem die Bürger warten und reden. Diesmal muss nicht koordiniert werden, denn man zieht eine Nummer und die Nummer wird aufgerufen. Vielmehr warten hier viel mehr Bürger als beim Rathaus, und sie sind im Wartebereich und nicht auf dem Flur. Der Wartebereich selbst geht über in ein (Riesen-)Großraumbüro, wo die Bürger nach dem Warten nun mit ihrem Persönlichen Ansprechpartner (PAP) reden. Das Geräusch ist mehr, leider jedoch kein Meeresrauschen, sondern nur das Plärren aus einem Handy mit Radio (Schon GEZahlt?). Die Bürger warten geduldig, sie haben sich etwas zu lesen mitgebracht oder starren einfach in die Luft – wie auf stand-by. Oder sie starren Löcher in den strapazierfähigen Boden, der schwarz-grauen Widerstand gegen tausende Bürgerschuhe darstellt. Das Radio verstummt, das Gemurmel bleibt, die Nummern steigen, die Bürger warten.

Ich komme dran, und werde nach kurzer Zeit zur nächsten Drohne geschickt; im 2. Stock darf ich diesmal warten, wo ich mit Namen aufgerufen werde, wie mir die erste Drohne aus dem Großraumbüro versichert. Die Wartezeit reicht aus, einen Teil der vielen Antragsformulare auszufüllen. O, Ach! Endlich wieder einen ALG2-Antrag ausfüllen zu dürfen! Die Drohne tippt dann eine Weile Daten in den Computer und schickt mich in den 1. Stock, wo ich – wer hätte das gedacht? – wieder warten darf, um wieder mit Namen aufgerufen zu werden.

Dort fülle ich also den Antrag zu ende aus. Die Drohne wundert sich über die bisherigen Ablehnungen, aber wir beschließen, dass jenes Thema nicht akut ist. Der Antrag wird akzeptiert (was aber nichts heißt). Ich bekomme sogar wieder einen Vorschuss, obwohl sie den Vorschuss vom Dezember zurückfordern…

Spring, Amtsschimmel! Spring!

So richtig Sprunghaft ist der Amtsschimmel nur, wenn es darum geht, noch mehr Unter- und Auflagen von den Bürgern zu verlangen. Ansonsten steht er sehr behäbig herum und rührt sich nur unwillig und schwerfällig und nach langer Bedenkzeit, wenn der Bürger etwas will. Für viele Bürger ist dies bestimmt Alltag, aber für mich ist das eine neue Erfahrung, die erschüttert und empört.

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